Monday, March 14, 2016

Farcry Primal - Review (Deutsch)



Jurassic Open World: Ubisoft ersetzt Kanonen mit Keulen und dreht das Rad der Zeit um knapp 12.000 Jahre zurück – doch die vemeintliche Frischzellenkur ist nur Fassade.

Die Geschichtsbücher müssen umgeschrieben werden: Denn unsere steinzeitlichen Urahnen waren längst nicht so minderbemittelt wie von den Historikern bislang angenommen. Vielmehr warf bereits der frühe Homo sapiens mit selbst gebastelten Bomben um sich, markierte Widersacher auf einer Mini-Map und machte sich die Fauna zum Untertan – zumindest dann, wenn man ”Far Cry Primal” für bare Münze nimmt. Entpuppt sich die vermeintliche Serien-Revolution doch als aberwitziges Potpourri aus Museumswissen und Ubisoft-gemäßer Action-Mechanik.


Krieg der Höhlenmenschen


Farcry Primal Screenshot

Als Story-Aufhänger dienen Scharmützel zwischen verschiedenen Urzeit-Stämmen: Held Takkar muss sich mit einer Kannibalen-Sippe (den Udam) herumschlagen und das Land Oros von den Unterdrückern befreien. Weil Schießpulver und Maschinengewehre aber noch längst nicht erfunden wurden, kämpft der Vollbartträger mit hausbackeneren Mitteln: Pfeil und Bogen, Wurfspeer, Knüppel, Steinaxt – das Offensivarsenal sorgt für ”Far Cry”-untypische, deutlich intimere Kämpfe. Zu allem Überfl uss sind die handgemachten Waffen auch noch alles andere als stabil: Eine zerbrochene Keule muss beispielsweise per Crafting erst wieder mühsam repariert werden. Generell nimmt die Bastelei eine gewichtige Rolle ein: Gegenstände liegen hier nicht einfach herum, sie werden handwerklich geschaffen. Und weil das Pfl ücken von Pfl anzen oftmals nicht ausreicht, geht Takkar auf die Jagd nach Tieren, um beispielsweise deren Felle zu erbeuten: Ob Mammut, Bär, Wolf oder Yak – Oros ist so etwas wie ein gigantischer Zoo, nur dass hier eben alle Viecher in einem einzigen Gehege herumstreunen. Ubisoft verspricht in diesem Zusammenhang ein virtuelles Ökosystem, das unabhängig vom Spieler existiert. Jedes Lebewesen geht also seinen eigenen Interessen nach, und die lauten meist: Essen, essen und noch viel mehr essen.


Der Held, ein Allround-Dompteur


Farcry Primal Screenshot

Weil die Ubisoft-Mitarbeiter offenbar ein Herz für Tiere haben, bietet ”Far Cry Primal” ein wahrlich spezielles Feature: Takkar ist nämlich der Pferdefl üsterer seiner Zeit und kann sämtliche Viecher durch nettes Zureden samt Streicheleinheiten zu seinen Verbündeten machen. So schleicht man sich an einen fressenden Säbelzahntiger an, murmelt auf Knopfdruck magische Worte – und schon gehorcht die Raubkatze Takkars Befehlen. Das wirkt zwar geradezu grotesk, bringt aber enorme Vorteile: Denn die jeweiligen Sidekicks knabbern nicht nur gerne Gegnergruppen an, sondern verfügen zudem über individuelle Spezialfähigkeiten. Während der Jaguar lautlos in feindliche Areale spaziert, warnt der Wolf frühzeitig vor anrückenden Widersachern. Und dann ist da ja noch die Eule: Den Nachtvogel kann man jederzeit herbeipfeifen und ihn dann durch die Lüfte steuern. Aus der erhabenen Ansicht lassen sich tatsächlich Bösewichte markieren – genau so, wie man es in den ”Far Cry”-Titeln sonst per Fernglas macht. Und als ob das nicht schon Unsinn genug wäre, wirft der Ubisoft’sche Super-Kauz doch tatsächlich auch noch bei Bedarf Brandbomben oder Bienenschwärme ab. Wer sich auf eine realistisch-knackige Survival-Simulation gefreut hat, der ist bei ”Primal” also defi nitiv an der falschen Adresse. Zumal die Entwickler nahezu alle Grundprinzipien moderner Open-World-Spiele mit dem Holzhammer in die Steinzeit hineindonnern. Wer Leuchtfeuer einnimmt und entzündet, der kann sie hernach als Schnellreisepunkt verwenden. Außenposten werden von Kerlen mit Signalhörnern bewacht (Stichwort: Alarm + Verstärkung = Ärger). Und für das Erfüllen der Missionen erhält man Skillpunkte, die wiederum in klassische Charakter-Upgrades investiert werden. Abgerundet wird die Marketing-konforme Feature-Liste von einem Basisbau, wie man ihn aus ”Fallout 4” kennt: Das heimische Dorf soll nach und nach erweitert respektive aufgemöbelt werden. Wie umfangreich das ”schöner Wohnen” letztlich ausfällt, darüber kann man angesichts der bisherigen Spieleindrücke nur spekulieren. Vielleicht gibt es ja auch einen Zirkus, in dem Takkars Tiere Kunststücke aufführen...


Fazit

Technisch wie spielerisch gewohnt kompetente Open-World-Kost, die ihr spannendes Szenario mit kuriosen bis peinlichen Features verpulvert. Sinnfrei spaßig wird das Steinzeit-Spektakel aber trotzdem.

DAS GEFÄLLT UNS:

» unverbrauchtes Setting voller Spielspaß-Potenzial
» schicke Technik samt Wetter- und Tag-Nacht-Wechsel
» Dauermotivation dank Crafting und Dorf-Ausbau

DARAN MUSS GEARBEITET WERDEN:

» Eule als lachhafte Mischung aus Kundschafter und Bomber
» Ubisoft setzt größtenteils auf sein Open-World-Schema F
» Tierdressur wirkt ebenso absurd wie übermächtig



Spezifikationen

System: PS4 / XOne
Entwickler: Ubisoft Montreal, Kanada
Hersteller: Ubisoft
Genre: Action-Adventure
Termin: 23. Februar

By PCmatter

Support Our Site... Shop Here!


Share This
Subscribe Here

0 comments:

Post a Comment