Monday, March 14, 2016

Uncharted 4: A Thief's End (Deutsch)

Uncharted 4: A Thief's End


Harte Faustkämpfe, perfekte Übergänge und die Geschichte von Nathan Drake, der sich zwischen Liebe und Leidenschaft, Elena und Sam entscheiden muss.

Es ist schon faszinierend, wie Kunst mit der Zeit geht und sich Spiele an Filme angleichen. Erinnert Ihr Euch noch an jene James-Bond-Streifen, in denen 007 auch nach dem heftigsten Faustkampf nur eine kleine Schramme davontrug? Völlig unabhängig davon, ob er gerade von einer Explosionswelle aus einem Haus katapultiert wurde, einen Stöckelschuh oder eine Eisenstange ins Gesicht bekommen hatte. So war einst auch ”Uncharted” , doch die Zeiten haben sich geändert. Während Daniel Craig nach einem Kampf mit Schnittwunden übersät ist, entwickeln sich Nathan Drakes Schmerzen in ”Uncharted 4: A Thief’s End” jetzt dynamisch.

Der Winkel und die Intensität jedes Schwingers wird von der Engine individuell berechnet und nach einem mathematischen Modell auf das Gesicht des Abenteurers übertragen. Etwa, wenn die muskulöse Nadine ihm in der Demo der PlayStation Experience in San Francisco ihre harte Rechte reindrückt. Nathan ist unvorbereitet, befi ndet sich im Gespräch und überlegt, mit welchem Gag er die Situation entschärfen kann, da prallt auch schon Nadines Faust auf seine Nase. Nates Riechkolben läuft blau an, es bildet sich ein Cut auf dem Nasenrücken, genau da, wo ihr Diamantring einen Abdruck hinterlassen hat.


Nadine Ross – keine Lady wie Miss Marlowe
Uncharted 4: A Thief's End - screenshot

Die Faustkämpfe sind eines der Elemente, die Naughty Dog am massivsten überarbeitet hat. In ”Uncharted 3” gab es bereits eine zünftige Schlägerei in einem Londoner Pub, doch die Action war geradlinig – das Spiel gab vor, was für eine Taste gedrückt werden muss. Teil 4 ist anders, traut seinen Spielern mehr zu. Ihr müsst auf Eure Deckung achten, blocken und überlegen, in welchen Momenten Nadine zum Schlag ausholt, um den Angriff in einen Konter zu verwandeln. Die Umgebung spielt eine große Rolle: Drückt die Lady Euch gegen einen Bücherschrank, ist Euer Bewegungsrepertoire eingeschränkt – Ihr müsst Euch erst einmal aus der Enge befreien und nach Möglichkeit den Spieß umdrehen. Auffallend ist, mit welcher Eleganz Naughty Dog von Zwischensequenzen ins Spielgeschehen wechselt, ohne Pause. Gerade noch drückt Nathan Nadine einen Spruch Marke ”Oh, ich fühle mich geschmeichelt, aber ich bin bereits vergeben” rein, da dreht sie ihm den Arm um und wirft ihn ohne Mühe um, als wäre der Sunnyboy ein Reissack. ”Ich bin nicht in der Stimmung für Spielchen”, herrscht sie ihn an. ”Gib mir das Kruzifi x!” Ein Artefakt, das Nathan mit seinem Bruder Sam und Mentor Sully kurz zuvor bei einer Vernissage in einer luxuriösen Villa gestohlen hat. Wo sich das Haus befi ndet, möchte Naughty Dog in San Francisco nicht verraten, Nates ”Scusi” weist aber auf Italien hin. Zudem steht in der Mitte der Villa eine Statue von Venus, der römischen Göttin der Liebe; es geht also höchstwahrscheinlich nach Rom, vielleicht ja sogar in den Vatikan? Ein guter Ort, um ein Symbol Jesu zu stehlen. Nadine ist ein anderes Kaliber als Katherine Marlowe, die mit goldenem Löffel im Mund geboren wurde und in Teil 3 lieber den Agenten ihres Geheimbundes ”The Hermetic Order” die Drecksarbeit überließ. Nadine hat zwar auch einen britischen Akzent, doch sie ist es gewohnt, sich die Hände schmutzig zu machen. Ihr Vater war General in der Armee, sie wächst in Südafrika auf, verdingt sich als Auftragskillerin, bevor sie selbst mit der Shoreline Mercenary Group einen privaten Militärkonzern ins Leben ruft, der seine Söldner jedem zur Verfügung stellt, der genug Kleingeld hat. Sie hat eine Vorgeschichte mit Sully.


Keine Nebenrollen
Uncharted 4: A Thief's End - screenshot

”Die klassische Formel aus Sidekicks und Protagonisten gibt es bei uns nicht”, erklärt Neil Druckmann, Creative Director und Chefautor von ”Uncharted 4”. ”Wir fragen uns bei jeder Figur, wo sie herkommt, was sie auszeichnet, was ihre Stärken und Schwächen sind und vor allem in welcher Verbindung sie zum restlichen Cast steht.” Wenn Ihr betrachtet, wie die Rolle von Sully von Spiel zu Spiel gewachsen ist, dann ist das nicht nur Marketing-Gewäsch, sondern Produktionswahrheit. So ist es dann auch Sully, der mehr über Nadine verrät. Naughty Dog ist gut darin, die Geschichten von Charakteren in süffi sante Dialoge einzuweben. Sie knallen Euch die Infos nicht einfach hin, sie spielen damit, etwa als Nadine ihre Finger leicht in Sullys Rücken drückt und ihm sexy ein ”Hände hoch” ins Ohr haucht. Das Gespräch dauert keine zwei Minuten, doch es verrät viel über Nadines Einstellung zu Designerkleidern und in welchem Verhältnis die beiden stehen, da ist sicherlich früher mal was gelaufen. Die Szene könnte fast aus einem Bond-Film stammen, so wie sie ihrem Gegenspieler schmeichelt. Gespielt wird Nadine von Laura Bailey, die Ihr als Abigail ”Fetch” Walker aus ”inFamous: Second Son” kennt. Sie hat weiße Haut, spielt aber die farbige Nadine, was auf der Diskussionsplattform Neogaf zu heftigen Diskussionen führte. Diskriminiert Naughty Dog etwa oder hatte Angst, eine farbige Hauptfi gur zu etablieren? Wer den ”The Last of Us” -DLC ”Left Behind” gespielt hat, der weiß, dass die Kalifornier nicht so ticken.

Eine der Schlüsselszenen mit Ellie und Riley endet mit einem Kuss – keinem Kinderkuss, sondern mit einem romantischen, gefühlvollen Kuss. ”Für uns zählt nur, die Beste für diese Rolle zu fi nden”, erörtert Druckmann. ”Wir hatten ihre Geschichte geschrieben, ihre Figur designt und unsere Casting-Direktorin hat Südafrikanerinnen eingeladen, aber eben auch einige weiße Schauspielerinnen – und Laura war schlicht die Beste. Sie hat diese Bestimmtheit in der Stimme, klingt aber auch ein bisschen verrucht. Diese Mischung aus Kraft und Sexiness, das passte einfach.” Mit einer gewissen Aufregung hatte der Chefautor zwar gerechnet, nicht aber mit 40 Seiten Diskussion auf Neogaf: ”Ist es nicht die Magie von Videospielen, dass wir in andere Rollen schlüpfen können?”, fragt er. ”Jetzt mal ehrlich: Ashley Johnson war damals 30, spielte aber mit Ellie ein 14-jähriges Mädchen. Und sie spielte sie perfekt. Ich würde diese Entscheidungen jederzeit wieder treffen.”


Der heimliche Pirat der Neuzeit
Uncharted 4: A Thief's End - screenshot

Doch warum mopst Nathan eigentlich irgendwo in Italien ein Kruzifi x? Ist das vielleicht der Türöffner zu einem Raum, der den Schlüssel zu einer Truhe beinhaltet, in der auf einer Karte der Standort von Libertalia eingezeichnet ist? Angeblich soll dort einer der größten Schätze der Menschheitsgeschichte versteckt sein. Davon hat Nathan ja schon einige zerstört – wie sein Bruder Sam sarkastisch anmerkt. Henry Every soll dort Diamanten, Rubine und Juwelen des Moguls von Mekka versteckt haben, dem er erst die Frau ausspannte und dann die Flotte stibitzte. Nun baut Naughty Dog seine Geschichten gerne als Metaphern auf, die Kalifornier sehen Nathan Drake als eine Art Nachfahre der Piraten, zerrissen zwischen Abenteuer und Zivilisation. Das Offi cial PlayStation Magazine hat dazu ein Gespräch mit Josh Sherr geführt, Co-Autor von ”Uncharted 4”. Laut ihm hatten die Menschen im 16. und 17. Jahrhundert eine sehr romantische Vorstellung vom Leben eines Piraten. Das Bild von Männern, die die See bezwingen, wilde Schlachten schlagen, mit den schönsten Mädchen schlafen und großen Reichtum erbeuten. ”Doch die Realität sah oft anders aus: Viele bekamen Skorbut und starben jung. Sie waren immer auf dem Meer, denn setzten sie einen Fuß an Land, wurden sie direkt gehängt.” Laut Sherr fi nden sich hier viele Parallelen zu Nathan Drake, der zwar all diese Abenteuer erlebt, dadurch aber nie reich oder auch nur wohlhabend wird und mit mehr Glück als Verstand in die Ehe mit Elena stolpert. ”Aber er hat nach wie vor diesen Hunger nach Abenteuern”, erzählt uns Nolan North, der Nate die Rolle seines Lebens zu verdanken hat. ”Mit diesem einen Ring dreht sich sein Leben einmal um 180 Grad. Er arrangiert sich damit aber nur aus Liebe zu Elena. Er hat einen gewöhnlichen, na ja, sagen wir eher langweiligen Job und es zieht ihn wieder raus.” Und dann taucht Sam in seinem Büro auf, erzählt ihm von Eldorado und Shambala, von Iram und dem gefakten Tod Sir Francis Drakes. Ein Gespräch, das Erinnerungen weckt – verpackt in eine Zwischensequenz, die satte fünf Minuten läuft. ”Die Leute fragen mich immer, was ich aus ’The Last of Us’ mitgenommen habe”, sagt Neil Druckmann. ”Das Selbstvertrauen, intime Momente einfach mal laufen zu lassen. Es ist noch immer ein Sommer-Blockbuster, wild inszeniert, mit großen Explosionen und Sets, die auch in einem Hollywood-Actionfi lm funktionieren würden. Aber Joel und Ellie haben mich dazu ermutigt, Dialoge bis zum Ende fl ießen zu lassen und nicht im Kopf ’Cut’ zu rufen und Elemente rauszuschneiden.”


Multiplayer-Check

Ein paar Tage hatten Besitzer der ”Nathan Drake Collection” die Möglichkeit, in zwei Maps des Mehrspieler-Modus von ”Uncharted 4” hineinzuschnuppern. Diese Gelegenheit ließen wir uns nicht entgehen und ballerten fl eißig mit. Geboten wurde klassisches Team-Deathmatch für zehn Kontrahenten, aufgepeppt durch viele neue Fähigkeiten, welche die ohnehin fl otten ”Uncharted”- Mehrspieler-Runden der Vorgänger noch eine Ecke dynamischer gestalten.

Schwing

Die Beta entführte schießwütige Zocker auf eine tropische Karte mit zentralem, ruinendurchzogenem Höhlensystem und in eine bunte südamerikanische Kleinstadt. Besonders in letzterem Schauplatz fi el sogleich Naughty Dogs Augenmerk auf mehr Vertikalität auf: Ihr müsst nicht nur darauf achten, ob Feinde hinter Wänden und Mauern warten, sondern auch darauf, was sich über Euren Köpfen abspielt. Viele Wände sind erkletterbar und gewähren Zugang auf Dächer und Obergeschosse. Um sich zwischen diesen zu bewegen, gibt es an vielen Stellen Ankerpunkte für Euer Kletterseil. Genau wie in der ersten Singleplayer-Demo könnt Ihr auch online wie Tarzan durch die Gegend schwingen. Läuft gerade ein Gegner unter Euch vorbei, drückt die Schlagtaste, schon rauscht Ihr mit einem Faustschlag aus der Luft heran. Hat man die neue Bewegungsmöglichkeit verinnerlicht, eröffnen sich ganz neue Flankier- und Hinterhaltmöglichkeiten.

Abschüsse, Hilfsaktionen und gesammelte Diamanten lassen Geld auf Euer Konto fl ießen, das Ihr jederzeit per Touchpad in eines von vier Hilfsmitteln investiert. Für wenig Kohle beendet Ihr etwa fl ott den Cooldown Eurer Granaten, für etwas mehr gibt es eine Panzerfaust. Das meiste Geld kostet das Herbeirufen eines der neuen KI-Helfer. Ganz nett ist der Sanitäter, der selbstständig Teamkameraden heilt, deutlich cooler ein gepanzerter Hüne mit Maschinengewehr, dessen Kills Euch Kohle einbringen. Und dann sind da auch noch mystische Artefakte wie ein sich drehendes Totem, das Ihr in die Reihen der Feinde werft, wo es kontinuierlich Schaden verursacht. Diese Zusatzfähigkeiten verleihen den fl otten Schießereien einen taktischen Anstrich. Investiere ich mein Geld sofort in weniger wertige Optionen oder spare ich und warte, um das Ruder in einem engen Match noch herumzureißen?

Nach ein paar Eingewöhnungsrunden machte ”Uncharted 4” online richtig Laune, jedoch drückten auch noch einige Mängel auf die Spaßbremse: Nahkampfanimationen sind viel zu hampelig – wenn drei oder vier Kontrahenten wild kolbenschwingend durcheinanderrennen, sieht das einfach nur albern aus. Schiefe Ebenen, auf denen man von oben nach unten rutschen kann, sind nicht aufwärts begehbar, obwohl die Steigung gering ist. Und die Grafik, das Aushängeschild der ”Uncharted”-Serie, bot gerade mal gutes PS3-Niveau. Aber das sollte sich bis zum Release des Spiels noch ändern.


Fazit

Die Dialoge geschliffen wie in einem Roman, die Cutscenes ausgeleuchtet wie ein Film und die Action wie eine Mischung aus ”Mission Impossible” und ”Indiana Jones” – her damit!

DAS GEFÄLLT UNS:

» diese Texturschärfe, diese Hautdetails – sehr wahrscheinlich die neue Grafikreferenz
» deutlich mehr Kontrolle in Faustkämpfen
» filmische Inszenierung der Cutscenes
» nicht nur Action, auch intime Momente

DARAN MUSS GEARBEITET WERDEN:

» bitte degradiert Elena nicht zur enttäuschten Ehefrau – sie hat eine coole Rolle verdient



Spezifikationen

System: PS4
Entwickler: Naughty Dog, USA
Hersteller: Sony
Genre: Action-Adventure
Termin: 27. April

By PCmatter

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